Mit Wasserstoffstrategie Chancen nutzen

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Der Maschinen- und Anlagenbau sieht in der Herstellung von Wasserstoff und von davon abgeleiteten Kraft- und Brennstoffen (Power-to-X) große industriepolitische Chancen. Die nötigen Verfahren sind schon heute verfügbar und können einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deutschland kann sich als Marktführer etablieren, wenn die Bundesregierung zügig eine technologieoffene Wasserstoffstrategie vorlegt, die keine Sektoren ausschließt, und so in die Wasserstoffwirtschaft einsteigt.

P2X ist bereit für die Realität

Wasserstoff ist ein vielseitig einsetzbarer Energieträger und ein wertvoller Rohstoff, der in der industriellen Produktion eine Schlüsselposition einnehmen kann. In der Mobilität kann er in Brennstoffzellenfahrzeugen oder weiterverarbeitet als synthetischer Kraftstoff (eFuel) genutzt werden. Im Energiesektor kann er als Energiespeicher dienen und dann über Rückverstromung in Gaskraftwerken die Energieversorgung auch bei „Dunkelflaute“ sichern. P2X-Verfahren sind ausgereift und bereit für den Schritt aus dem Labor in die Praxis.

3-5 GW Elektrolyse zur Jahrzentmitte

Um ihre technologische Vorreiterrolle ausbauen und festigen zu können, brauchen die deutschen Anlagenbauer jetzt einen schnellen Markthochlauf im industriellen Maßstab. Dazu muss die Wasserstofftrategie ambitionierte Ziele vorgeben. Schon heute können Anlagenbauer jährlich ein Gigawatt Elektrolyseleistung bereitstellen. Entsprechend sollte für die Mitte des Jahrzehnts ein Ziel von drei bis fünf Gigawatt gesetzt werden. Da Deutschland Energieimporteur bleiben wird, sollten europäische Kooperationen sowie globale Energiepartnerschaften vereinbart werden, die für die deutschen Unternehmen Investitionssicherheit schaffen. Auf EU-Ebene sollte sich die Bundesregierung für eine Europäische Wasserstoffstrategie einsetzen.

Klimaneutralen Wasserstoff nutzen

Die aktuelle Diskussion, welche Farbe der Wasserstoff haben soll, ist nicht zielführend: Grüner Wasserstoff wird per Elektrolyse mit Erneuerbaren Energien erzeugt, blauer Wasserstoff aus Erdgas gewonnen, türkiser per Methanpyrolyse. Alle Varianten sind klimaneutral, da das CO2 nicht in die Atmosphäre entweicht. Da wir künftig große Mengen Wasserstoff benötigen, spricht sich der VDMA dafür aus, alle klimaneutralen Formen des Wasserstoffs zu nutzen.

Wussten Sie, dass weltweit jede fünfte verkaufte Elektrolyseanlage aus Deutschland kommt? Diese Martkführerschaft möchten wir mit einer anspruchsvollen Wasserstoffstrategie ausbauen!

Essentiell: Starker Heimatmarkt

Die aktuelle Technologieführerschaft kann Deutschland nur mit einem starken Heimatmarkt behaupten. Dafür muss die Bundesregierung bis zur ersten Hälfte der 2020er Jahre die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen. Infolge des steigenden Wasserstoffbedarfs und der Sektorkopplung wird die Stromnachfrage künftig deutlich wachsen, doch der Ausbau Erneuerbarer Energien stockt. Der Ausbau der Windenergie an Land braucht schnellstmöglich mehr Flächenverfügbarkeit und Rechtssicherheit bei Genehmigungsverfahren. Gekoppelte Ausschreibungen für Offshore-Windkraftwerke und Elektrolyseure unterstützen den Markthochlauf.

Ambitionierte Umsetzung der REDII

Der Aufbau von P2X-Kapazitäten lässt sich unter marktgetriebenen Prinzipien bereits mit der REDII-Umsetzung verwirklichen. Hierzu gehört die Anhebung des Erneuerbaren-Energien-Ziels im Verkehr auf 20 Prozent. Die Leitfrage sollte sein, wie mit möglichst wenig Subvention möglichst viel Wirkung erzielt werden kann, ohne Sektoren von der P2X-Nutzung auszuschließen. Eine konsequente Defossilisierung im Verkehrssektor, der die erhoffte Treibhausgasreduktion bisher nicht leistet, kann nur mit Technologieoffenheit gelingen. Wasserstoffbasierte eFuels tragen schnell zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bei, da sie in der Bestandsflotte genutzt werden können. Vom Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft profitiert zudem die Brennstoffzellentechnologie. Eine umfassende Energiewende kann nur mit einer übergreifenden CO2-Bepreisung gelingen. Es ist ein tragfähiges und in sich schlüssiges Konzept zu entwickeln, in dem die Steuer-, Umlage- und Abgabesysteme bei der Umwandlung von Energieformen keine zusätzliche Belastung darstellen.

Fazit

Die Bundesregierung muss zügig ihre nationale Wasserstoffstrategie vorlegen und sich auf EU-Ebene für eine europäische Wasserstoffstrategie einsetzen. Ferner ist eine Reform der Energiesteuer notwendig, bei der sich die Steuerlast an der CO2-Intensität der Energieträger orientiert.

Kontakt

Peter Müller-Baum, Geschäftsführer Fachverband Motoren und Systeme,
Telefon +49 69 66 03-13 53, E-Mail mueller-baum@vdma.org

Andreas Rade, Geschäftsführer Hauptstadtbüro,
Telefon +49 30 306946-16, E-Mail andreas.rade@vdma.org

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