KurzPosition: Plattformökonomie bahnt Industrie 4.0 den Weg

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Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau treibt erfolgreich den digitalen Wandel voran. Digitale Industrieplattformen ermöglichen den Onlinehandel von Investitionsgütern und Diensten sowie den Datenaustausch von Maschine zu Maschine. Damit sind digitale Plattformen ein Schlüssel zur Industrie 4.0. Die Stärke des Maschinenbaus basiert auf seiner anwenderbezogenen Technologiekompetenz.

Maschinenbau startet Plattformen

Weltweit sind Online-Plattformen bereits Alltag für Verbraucher. Auch Industrieplattformen läuten für Geschäftspartner eine neue Epoche ein. Einige Pioniere aus dem deutschen Maschinenbau haben bereits Industrieplattformen gegründet. Industrielle Plattformen unterscheiden sich von Konsumentenplattformen, da die Wertschöpfungsketten in der Industrie vielfältiger und oft branchenspezifisch sind. Wettbewerbsvorteile haben die Maschinenbauer, die passend zu ihren Investiti-onsgütern auch digitale Dienstleistungen wie zum Beispiel eine vorausschauende Wartung anbieten.

Startbedingungen verbessern

Der Erfolg von digitalen Plattformen beruht auf drei Säulen: Sie reduzieren Transaktionskosten, ermöglichen neue Services bzw. Geschäftsmodelle und erhöhen den Nutzen der Plattformen exponentiell mit steigender Anzahl von Teilnehmern. Der Maschinenbau hat vielfältige Kundenbranchen. Dennoch versprechen sich Maschinenbauer Skaleneffekte dank eigener Industrieplattformen. Eine breite Anwendung von Plattformen im Geschäftsbereich aus Deutschland heraus gelingt aber nur mit deutlich verbesserten Standortfaktoren, also einem zeitgemäßen Rechtsrahmen und einer leistungsfähigen, digitalen Infrastruktur. Darüber hinaus gilt es, die Interessen der deutschen und europäischen Industrie global zu vertreten.

Leistungsfähiges Internet in Regionen

Riesige Datenvolumina unternehmensübergreifend sammeln, analysieren und interpretieren ‒ dafür ist ein schneller, stabiler und sofortiger Internetzugang ein Muss. Doch der Ausbau in Deutschland hält noch nicht einmal Schritt mit dem politischen Ziel für das Jahr 2018, eine flächendeckende Geschwindigkeit von 50 Mbit zu bieten. Nun müssen die Versprechen über ein leistungsfähiges Internet umgesetzt werden. Erste Etappe bis 2020 muss es sein, dass Gewerbegebiete und Industriestandorte mit mindestens 100 Mbit erschlossen werden. Mittelfristig benötigen die Maschinenbauunternehmen schnelles Internet im Gbit-Bereich über Glasfaser und mobile Dienste.

KurzZahl

Wussten Sie, dass laut einer Umfrage 80 Prozent der VDMA-Mitglieder Wachstumsimpluse durch digitale Services und Geschäftsmodelle erwarten? Wertschöpfungs- und Umsatzanteile werden sich hin zu digitalen Diensten verschieben.

Kompatibilität durch Standards

Klar ist, dass die jeweiligen Dienste auf bekannten Verbraucherplattformen der marktbeherrschenden Infrastrukturanbieter nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Damit haben einzelne Anbieter Wettbewerbsvorteile, die zu sogenannten Lock-In-Effekten führen. Solche Effekte könnten auch bei Industrieplattformen auftreten. Für viele Hidden Champions im mittelständisch geprägten Maschinenbau macht die Entwicklung von Plattformlösungen aber nur dann Sinn, wenn die einzelnen Lösungen über verschiedene Infrastrukturen hinweg kompatibel und standardisiert sind. Insofern unterstützt der VDMA die Bemühungen um eine internationale Standardisierung. Das ermöglicht neue Markteintritte und die Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle.

Vertragsfreiheit stärken

Die Politik wird von der Sorge getrieben, dass Deutschland und Europa im internationalen Digitalisierungswettbewerb zurückfallen könnten. Der VDMA befürwortet einen politischen Diskurs zur Plattformökonomie, der auf die Chancen abzielt und die Risiken sachlich analysiert. Auch in den Unternehmen werden Datensicherheit, Datenintegrität und Datensouveränität prominent diskutiert, wenn unternehmensübergreifende Lösungen geplant sind. Unternehmen müssen hierfür in der Lage sein, vertraglich flexible Regelungen zu treffen. Mit einer längst überfälligen Reform des nationalen AGB-Rechts muss die Vertragsfreiheit gestärkt und Raum für digitale Geschäftsmodelle geschaffen werden. Auf europäischer Ebene ist die Bundesregierung gefordert, einen homogenen Raum für Industrieplattformen zu schaffen.

Fazit

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist zentraler Akteur der Plattformökonomie in der Industrie. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und der digitale Infrastrukturausbau müssen den Erfordernissen der Unternehmen entsprechen. Zunehmend bieten Maschinenbauer Plattformlösungen an und beteiligen sich daran. Internationale Standards ermöglichen es dem industriellen Mittelstand, digitale Geschäftsmodelle kompatibel mit anderen Plattformlösungen anzubieten und Wettbewerbsvorteile gleichermaßen zu erhalten.

Kontakt

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer VDMA
Telefon 069 6603-1331, E-Mail hartmut.rauen@vdma.org
Andreas Rade, Geschäftsführer VDMA-Hauptstadtbüro
Telefon 030 306946-16, E-Mail andreas.rade@vdma.org

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